Jordaens und die Antike | Jordaens und die Moderne

Ausstellung

Jordaens und die Antike

GROSSE SONDERAUSSTELLUNG
IN KASSEL
01.03.2013 – 16.06.2013

Jacques Jordaens zählt mit Rubens und van Dyck zu den Großmeistern der flämischen Barockmalerei, dem nun – erstmals in Deutschland – eine eigene Ausstellung gewidmet wird. Diese entsteht in Kooperation mit den Königlichen Kunstmuseen Belgiens in Brüssel und verfolgt die Absicht, das durch romantische und nationalistische Mythen des 19. Jahrhunderts geprägte Bild von Jordaens als volksnahem und gutbürgerlichem Maler fröhlicher Gesellschaften zu revidieren. Durch intensive vorbereitende Forschung ist es möglich zu zeigen, wie gerade die Antikenrezeption in seinem Werk eine herausgehobene Rolle spielt. Jordaens nutzte zahlreiche antike Quellen, sei es literarisch oder künstlerisch, und gelangte zum Teil zu völlig neuartigen Deutungen der antiken Geschichte. Die Antikenrezeption ebenso wie die Nähe zu hochadeligen Auftraggebern war bisher das Privileg seines Antwerpener Malerkollegen Rubens. Doch bewegte sich Jacques Jordaens ähnlich wie Rubens in einem Kreis von gebildeten Kennern und Sammlern.

Jacques Jordaens, Der Satyr beim Bauern, um 1620, Gemäldegalerie Alte Meister, MHK

Jordaens’ Blick auf die Antike ist höchst originell, seine Götter und Helden wirken erdverbundener, gleichzeitig dem Betrachter näher. In den monumentalen Gemälden wird Antike lebensnah präsentiert. Am bekanntesten ist vielleicht die Fabel von Aesop »Der Satyr beim Bauern«, die der Künstler in verschiedenen Fassungen schuf.

Die Ausstellung nähert sich Jacques Jordaens über unterschiedliche Fragestellungen und Themenkomplexe. So soll verdeutlicht werden, wie im 17. Jahrhundert ein Maler in Antwerpen in Kontakt mit antiken Kunstwerken treten konnte. Jacob Jordaens verließ nie sein Heimatland, verfügte aber dennoch über profunde Kenntnisse antiker Themen und antiker Kunstwerke. Eine große Rolle spielte dabei auch die Beschäftigung mit den Werken von Peter Paul Rubens. Im Vergleich der beiden Maler zeigt sich deutlich, wie unterschiedlich sich beide Künstler mit den antiken Stoffen auseinandersetzten. Zentrale Themen im Schaffen von Jordaens sind Darstellungen der Fruchtbarkeit sowie von Bacchus und seinem Gefolge, beides Themen, die einerseits barocke Lebensfreude symbolisieren, andererseits aber auch die Vorliebe des Künstlers für lebensnahe Figuren verdeutlichen.

Jacques Jordaens, Der Künstler mit der Familie seines SchwiegervatersAdam van Noort, um 1616, Gemäldegalerie Alte Meister, MHK

Anhand von hochkarätigen Leihgaben aus den wichtigsten Museen Europas entsteht für den Besucher ein faszinierendes Panorama der Antikenrezeption in der flämischen Barockmalerei mit Gemälden von Jordaens und seinen Zeitgenossen sowie antiken Kunstwerken und monumentalen Tapisserien. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des belgischen Königs und des deutschen Bundespräsidenten.

Jordaens und die Moderne

In der Kunst nach 1945 scheint auf den ersten Blick eine Figur wie Jacques Jordaens keine Rolle gespielt zu haben – zu dominant war die ungegenständliche Malerei. Dennoch gab es gerade seit den 1970er Jahren in Deutschland, sowohl im Osten als auch im Westen, eine zunehmende Hinwendung zur fi gurativen Malerei. Die prominentesten Vertreter, bei denen interessanter Weise das Werk von Jordaens einen deutlichen Einfluss genommen hat, sind Johannes Grützke, Hubertus Giebe und Rainer G. Mordmüller. Diese Künstler werden mit großformatigen Gemälden in einer eigenen Abteilung vertreten sein und damit eine spannungsreiche Brücke von der Moderne in das 17. Jahrhundert schlagen. Die Präsentation ergänzt die große Jordaens Ausstellung und soll zeigen, wie aktuell letztendlich die Werke des großen Flamen sein können und ermöglicht dem Besucher einen sehr aktuellen Zugang zur Barockmalerei.

Johannes Grützke, Prometheus zerstört seine Entwürfe, Öl auf Leinwand, 205 x 240 cm (2001), © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Hubertus Giebe, Diogenes (nach Jordaens), Öl auf Leinwand, 210 x 300 cm (2012) © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Rainer G. Mordmüller, Zu Gast (nach J.J.), Öl auf Leinwand, 172 x 396 cm (1989)

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